Symbol und Repräsentation in der Architektur

September 14, 2015

 

Seminar am Fachbereich 06 der Uni Kassel, Wintersemester 2015/16

Architektur ist stets mehr als das, was buchstäblich vor uns steht: sie steht für (oder gegen) bestimmte gesellschaftliche Prinzipien, sie verkörpert kulturelle Normen und Zielvorstellungen, sie drückt ästhetische Wertungen aus etc.. Kurz: sie weist durch symbolische Repräsentation über sich selbst hinaus. Das gilt für global inszenierte Star-Architektur wie für profane Allerweltsarchitektur: der Freedom Tower in New York wird genauso wie ein Einfamilienhaus von der Stange in einem beliebigen deutschen Stadterweiterungsgebiet dadurch zu Architektur, dass in ihm gesellschaftliche Normen und Werte sichtbar werden, z.B. Ideale der neoliberalen kapitalistischen Wirtschaft oder des kleinbürgerlichen Eigentumbegriffs.

Dass Architektur auch symbolisch funktioniert und kulturelle Werte und Einstellungen repräsentiert, ist ein alter topos der Architekturtheorie – darüber aber, wie diese Repräsentationsfunktion der Architektur en detail funktioniert und wie sie sich historisch gewandelt hat, wird in der Architekturtheorie diskutiert. Hieraus ergibt sich der theoretische Fokuspunkt des Seminars: Wie funktioniert symbolische Repräsentation in der Architektur? Hierzu werden wir uns mit Ausschnitten aus allgemeinen Symboltheorien und symboltheoretischen Ansätzen der Architekturtheorie beschäftigen.

Der empirisch-historische Fokuspunkt des Seminars liegt auf der detaillierten Auseinandersetzung der Seminarteilnehmer mit jeweils einem konkreten Architekturprojekt des 20. und 21. Jahrhunderts. Ziel ist es, signifikante Beispiele symbolischer Repräsentation in der Architektur zu identifizieren und sie im Rahmen der zu erarbeitenden theoretischen Grundlagen zu untersuchen.

 

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