Dissertationsprojekt: Grundlinien einer Epistemologie der Gebäudedatenmodellierung (BIM)

Dezember 18, 2015

Heute melde ich meine Dissertation an. Alles, was damit zu tun hat und blogfähig ist, sammle ich hier unter der Kategorie ‚Diss. BIM‘. Der Fokus des Projekts liegt auf der erkenntnistheoretischen Beschreibung von BIM-basierten Entwurfsprozessen: Wie beeinflusst BIM Architektur auf formaler und konzeptueller Ebene? Welchen Einfluss hat BIM auf die Wissensformen und -kulturen der Architektur? Macht es Sinn, das Aufkommen von BIM als historische Zäsur mit Alberti’s Standardisierung der architektonischen Zeichenverfahren zu vergleichen? Welche Rolle hat BIM auf die Role und das Selbstverständnis des Architekten? Für die Bearbeitung von Fragen dieser Art habe ich mir drei Pakete vorgenommen:

Paket 1: Erarbeitung einer allgemeinen Schematisierung der Programm-Architektur von BIM-Software

Paket 2: Kulturphilosophische Untersuchung der Computermodell-basierten Simulation als Wissensform und symbolische Form digitaler Entwurfskulturen

Paket 3: Semiotische Reformulierung des Modell-Begriffs von Mahr (im Sinne Peirce’s der Erkenntnistheorie als Semiotik) und Untersuchung des Einflusses von BIM-basierten Entwurfsverfahren auf den Objektbezug des Entwerfens

1 comment

  1. Jonas Marx - September 5, 2016 2:09 pm

    Hey Jan, das Thema ist super wichtig und interessant. Ein paar schnelle Gedanken zu Deiner Frage:

    Macht es Sinn, das Aufkommen von BIM als historische Zäsur mit Alberti’s Standardisierung der architektonischen Zeichenverfahren zu vergleichen?

    Aus Sicht der Hersteller der Software, bestimmt! In der Realität – ich glaube, da müsste auf jeden Fall eine Betrachtung mit einfließen, inwiefern Anspruch und Wirklichkeit der Anwendung zusammen gehen oder eben nicht (was Du im 2. Teil vorhast?). Die Realität von CAD-Software im allgemeinen oder von IT-Prozessen im ganz allgemeinen ist ja oft, dass am Ende dann doch für echte Entscheidungen direkte menschliche Kommunikation nötig ist, die sich eben nicht stadardisieren lässt. Und hier ist die Software dann vielleicht sogar ein Hindernis? Weil sie individuelle Kommunikation und Entscheidungen immer mehr einengt? Zugunsten eine fiktiven Effizienz? Cybernetic dreams…

    Insofern wäre dann bei einer kulturphilosophischen Betrachtung auch zu schauen, ob das wirklich etwas qualitativ Neues ist? Oder einfach nur der nächste Schritt von etwas, dass mit den DIN-Normen im 19.Jh (?) schon angefangen hat. Bei den DIN-Normen müssen halt noch Bauanträge eingereicht und auf Einhaltung der Normen überprüft werden, mit allem Pfusch usw. den das erlaubt. Aber eben auch mit allen kreativen Freuräumen… Wenn alle nur noch an einem Masterfile zeichnen, dass nur noch reglementierte Operationen erlaubt und am Ende vlt. sogar live von der Behörde mit angeschaut werden kann – kann schon sein, dass das eine neue qualitative Stufe von kommunikativer Unfähigkeit erzeugt, wenn ich Böse sprechen darf. Aber das müsste wahrscheinlich wirklich eine empirische Untersuchung von Planungsabläufen zeigen, oder?

    Der Post ist ja schon nicht mehr ganz neu, vlt. bist da längst schon woanders, war einfach, was mir eingefallen ist…

    lg Jonas

    Antworten

Have your say