Postersession IfA-Jahresausstellung, TU-Berlin

Juli 21, 2017

Für die PhD-Postersession des Instituts für Architektur (IfA) habe ich nochmal den aktuellen Stand der Schwerpunkte meines Projekts zusammen gefasst:

Als Methode und Denkmodell, nicht als diese oder jene konkrete software, betrifft Building Information Modelling (BIM) potentiell alle Aspekte des Architektur-Machens. Der Fokus, den das Dissertationsprojekt in diesem Panorama der sich historisch differenzierenden Digitalisierung der Architektur setzt, ist der Gebrauchs von BIM als Entwurfsmedium: Wie wirkt sich BIM auf den architektonischen Entwurfsprozess aus und auf welchen Architekturkonzepten basiert BIM?

Den ersten Schwerpunkt des Projekts bilden die technischen, diskursiven, ästhetischen, administrativen – in einem Wort: die ‚multiplen Vorgeschichten von BIM‘ (Poole und Shvartzberg). Das epistemische Objekt, das die historische Entwicklungsdynamik von BIM bestimmt, wird dabei im objekt-orientierten parametrischen Modellieren ausgemacht, und zwar vor dem Hintergrund der regulativen Idee eines einzigen, voll-assoziativen Modells. Dieses master model, mit dem alle für das Entwerfen (und das Architektur-Machen insgesamt) notwendigen Aspekte modelliert werden können sollen, besteht aus einem Informationsmodell – einer Datenbank – und einer Multitude koordinierter Schnittstellen (interfaces) für jeweils spezifische Zwecke.

Den zweiten Schwerpunkt bildet die Transformation des Modell-Begriffs im BIM-Diskurs. Der Fokus liegt darauf, wie im Paradigma der Informationsmodellierung Datenbanken als Entwurfsmodelle genutzt werden. Hierbei ist die Verknüpfung semantischer und geometrischer Informationen (‚räumliche Informationsmodelle‘) in berechenbarer Form entscheidend, die es erlaubt, verschiedene generative und analytische Funktionen zu automatisieren und Architekturprojekte in silico zu simulieren sowie das BIM-Modell direkt für die Realisierung zu nutzen (design-to-build).

Den dritten Schwerpunkt schließlich bildet die Rolle des Interface in der Benutzung von BIM-Modellen als Entwurfsmedien, denn eine BIM-Datenbank kann nicht an sich selbst, sondern nur durch geeignete Darstellungsweisen zu einem epistemisch produktiven Entwurfsmedium werden. In diesem Zusammenhang wird eine Trope des Architekturdiskurses in einer neuen Lesart wieder aufgenommen: das Diagramm. Statt aber an die post-strukturalistischen Diskurse anzuknüpfen, in denen das Diagramm vor allem als abstrakte Maschine (Deleuze) mit emanzipatorischem Potential theoretisiert wurde, fokussiert das Projekt auf die Konzeption des Diagramms als Zeichen, kraft dessen neues Wissen erlangt wird. Zentral für diese Eigenschaft des Diagramms ist seine operationale Ähnlichkeit mit dem, worauf es sich bezieht. Kraft dieser Ähnlichkeit kann man mit dem Diagramm anstelle dessen, worauf es sich bezieht, experimentieren – und das macht die epistemische Signatur des BIM-Ansatzes aus.

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