Liste von Architekturtheorie-Definitionen an deutschsprachigen Universitäten

September 23, 2013

Was ist und was soll eigentlich die Architekturtheorie? Und welche Stelle nimmt sie in den gegenwärtigen Wissensformationen in Gesellschaft und der Universität ein? In dieser Frage ist momentan viel Bewegung. Definitionen sind genauso gefragt, wie sie rund heraus abgelehnt werden. Die verschiedenen Perspektiven und disziplinären Zugänge zur Architekturtheorie versuche ich auf dieser Seite abzubilden, indem ich die Selbstbeschreibungen der Theorie-Institute der deutschsprachigen Architekturfakultäten zusammenstelle. ‚Theorie-Institute‘, weil die Architekturtheorie verschieden in die Fakultäten integriert ist ihr Verhältnis mit den anderen Instituten oftmals sehr unterschiedlich konzipiert ist. Trotz alledem habe ich mich bei der Suche bis zu einem gewissen Gerade am Begriff ‚Architekturtheorie‘ orientiert — ob das aus Sucht der Architekturwissenschaft ein geeigneter Zugang ist, bleibt aber gerade zu diskutieren.

Alle folgenden Texte sind Zitate der Theorie-Institute, genau so, wie ich sie unter den angegebenen Links gefunden habe. Alle Rechte an den Texten liegen bei den jeweiligen Verfassern.

 

Aufgeführte Theorie-Institute, alphabethisch nach Standort
  1. Fachgebiet Architekturtheorie, RWTH Aachen
  2. Bauformen der Imagination (Emmy Noether-Nachwuchsgruppe), FU Berlin
  3. Fachgebiet Architekturtheorie, TU Berlin
  4. Institut für Geschichte und Theorie der Gestaltung, UdK Berlin
  5. Geschichte + Theorie  der Architektur und Stadt, TU Braunschweig
  6. Lehrstuhl Theorie der Architektur, BTU Cottbus
  7. Fachgebiet Geschichte und Theorie der Architektur, TU Darmstadt
  8. Lehrstuhl Geschichte und Theorie der Architektur, TU Dortmund
  9. Fachgebiet Architekturtheorie, TU Dresden
  10. Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften, Universität Graz
  11. Lehrstuhl für Architekturtheorie, Universität Innsbruck
  12. Fachgebiet Architekturtheorie, KIT Karlsruhe
  13. Fachgebiet Architekturtheorie und Entwerfen, Universität Kassel
  14. Lehrstuhl für Theorie und Geschichte von Architektur, Kunst und Design, TU München
  15. Architektur und Stadtforschung / a42.org, Akademie der Bildenden Künste Nürnberg
  16. Grundlagen der Gestaltung und Architekturtheorie, Universität Siegen
  17. Architekturgeschichte, Theorie und Kritik, Designgeschichte, Staatliche Akademie der bildenden Künste Stuttgart
  18. Institut Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen, Universität Stuttgart
  19. Fachgebiet Geschichte und Theorie der Architektur, Universität für angewandte Kunst Wien
  20. Institut für Kunst und Architektur, akademie der bildenden künste Wien
  21. Fachgebiet Architekturgeschichte und -theorie, Bergische Universität Wuppertal
  22. Institut für Geschichte und Theorie der Architektur (gta), ETH Zürich
  23. Hafencity Universität Hamburg ??
  24. TU Kaiserslautern ??

 

1. Fachgebiet Architekturtheorie, RWTH Aachen

http://theorie.arch.rwth-aachen.de/?page_id=46 [Zugriff am 11.09.2013]

Architekturtheorie

ist die Theorie einer Handlungswissenschaft. Anders als naturwissenschaftliche Theorien, die provisorische Schneisen durch noch unerforschtes Gelände legen, verweist uns das Feld der Architekturtheorie auf Gründe, Haltungen und Weltanschauungen, welche das Handeln von Architekten motivieren und leiten. Architekturtheorie ist im Vorfeld von Entwurf und Herstellung angesiedelt. Sie beschäftigt sich mit Intentionen und Begriffen noch bevor diese sich in einem Werk konkretisieren. Architekturtheorie unterstellt, dass das Bauen ein bewusster, intentionaler, Symbol gebender und zuweilen normenkritischer Vorgang ist. Daher betrachtet sie die gebaute Wirklichkeit im Licht von Verfassererklärungen, Regeln, Traktaten, Dogmen und Doktrinen. Sie sucht auch dort nach Erklärungen und verborgenen Motiven, wo das Bauen scheinbar ganz ohne Theorie oder bekennende Autoren von statten geht.

Architekturtheorie

unterstützt die Ausbildung individueller Kompetenzen. Sie fördert konzeptionelles Denken und rationales Handeln. Sie beschreibt die produktive Verkettung von Vorstellung und Entwurf; von Vorbild und Nachahmung; von Problem und Erkenntnis. Aufklärend wirkt Architekturtheorie in dem sie die Wahrnehmung und Analyse spezifischer Situationen befördert. Sie tut das, in dem sie Vergleichsmöglichkeiten anbietet und invariante, zeit- und ortsübergreifende Aspekte aufzeigt. Sie interessiert sich für Sachverhalte, die uns über den Horizont unmittelbarer und einmaliger Bezüge hinausführen. Sie fragt nach Ideen, Themen und Topoi, die im Verlauf der Geschichte entdeckt, vergessen und reaktiviert wurden.

Architekturtheorie

ist eng mit dem Langzeitgedächtnis der Disziplin Architektur verknüpft. Sie bemüht sich um die Erschließung, um die Vermehrung und um die Weitergabe des verfügbaren Wissens ihrer Disziplin. Sie zeigt mögliche Zugänge zum Wissen und weist den Weg durch Enzyklopädien, Archive, Sammlungen. Der Architekturtheorie ist die Inventur des Wissens aufgegeben, das sie für die Disziplin der Architektur systematisiert und aufbereitet. Sie hilft bei der Auswahl von Gegenständen und befähigt zur Konstruktion von Fragestellungen. Als Teil einer Handlungswissenschaft gilt ihr Interesse der erfinderischen Aneignung historischen Materials. Sie hütet ein Erbe, von dem sie glaubt, dass es in zukünftigen Lagen hilfreich sein könnte.

 

2. Bauformen der Imagination (Emmy Noether-Nachwuchsgruppe), FU Berlin

http://bauformen-der-imagination.de/ [Zugriff am 14.09.2013]

Ausgehend von der Beobachtung, dass sich Literatur und Architektur besonders seit dem 18. Jahrhundert mehrfach aneinander angenähert und aufeinander bezogen haben, untersucht die Emmy Noether-Nachwuchsgruppe „Bauformen der Imagination. Literatur und Architektur in der Moderne“ die dynamischen Interaktionen zwischen den beiden Künsten in intermedialer und raumanthropologischer Perspektive.

Ziel ist es, anhand von exemplarischen Fallstudien dazu beizutragen, die Geschichte der kulturellen Verschränkung der beiden Kunstformen zu erhellen und dabei neue methodische Zugänge zu entwickeln, denen es gelingt, die verschiedenen Ebenen der Interaktion zwischen den beiden Künsten in den Blick zu bekommen. Im Zentrum der interdisziplinären Gruppe stehen die beiden Untersuchungszeiträume um 1800  und 1910-1935, die sich durch große Bauschübe und einen besonders intensiven Austausch zwischen Architekten und Literaten auszeichnen. Während man um 1800 eher eine Einwirkung des Poetischen auf die Architektur ausmachen kann, ist in der klassischen Moderne von einer stärkeren Meinungsführerschaft der Architektur zu sprechen, von der wichtige Impulse für literarische Fragestellungen ausgehen. Anhand ausgewählter Beispiele wird in beiden Zeiträumen untersucht, wie Architektur in der Fiktion thematisiert und repräsentiert wird und welche Funktionen ihrer Darstellung in literarischen Texten zukommen können. Umgekehrt wird auch gefragt, welches analytische und kritische Potenzial die Literatur für die Architekturästhetik bietet.

Dabei verfolgt die Gruppe eine raumanthropologische Perspektive: Ausgehend von der These, dass sich um 1800 in literarischen Texten eine zeichenhafte Verknüpfung von Raum und Emotion etabliert, untersucht sie, wie sich in der Moderne eine neue Dimension des menschlichen Raumverhältnisses entwickelt, demzufolge das Subjekt inhärent räumlich gedacht wird. Die Konturen dieses räumlichen Subjektverständnisses sollen in Beziehung zu den diskursiven Verschränkungen von Architektur und Literatur gesetzt und herausgearbeitet werden.

 

3. Fachgebiet Architekturtheorie, TU Berlin

http://www.architekturtheorie.tu-berlin.de/ [Zugriff am 11.09.2013]

In modernen Gesellschaften ist Architektur ohne kritische Reflexion nicht möglich, ganz im Sinne der Erkenntnis, dass gerade in modernen Gesellschaften Kultur ohne Kulturkritik gerade jene Barbarei1 wäre, gegen die sich Kultur seit jeher abzugrenzen versuchte.

Architekturtheorie ist daher ein zutiefst modernes Anliegen, da das Bedürfnis danach unmittelbar aus der besonderen Entwicklungsdynamik der Moderne resultiert. Mit dem Aufkommen neuer Materialien (Stahl, Beton, Glas), neuer Technologien (Maschine, Foto, Film, Computer, Smart Phone) und neuer gesellschaftlicher Ordnungen seit dem 18. Jahrhundert kann die Architektur ihre orientierenden Maßstäbe nicht mehr ohne weiteres und unhinterfragt der Tradition, dem Alterprobten und den Vorbildern vergangener Epochen entlehnen2. Wo alles ständig in Bewegung und in Veränderung ist, muss sie die Frage nach ihren Zielen, nach der Angemessenheit ihrer Methoden, ihrer Mittel und praktischen Wirkungsweise stellen. Evident wird dies an den kulturellen Übergangsstellen, wie zum Beispiel am Übergang von der feudalen zur bürgerlichen Gesellschaft, am Übergang von der manuellen zu maschinellen Produktion im 19. Jahrhundert, wie auch heute an der Wende vom analogen zum digitalen Zeitalter.

Architekturtheorie ist die kritische Reflexion über das Gemachtwerden und Gemachtsein der Architektur sowie die kritische Reflexion über ihre kulturelle Funktion der Architektur im dynamisch sich ändernden, kulturellen Kräftefeld. Das Ziel dieser kritischen Reflexion ist, Vorstellungen und Modelle zu hinterfragen, zu bestätigen oder neu zu formulieren, unter deren Anleitung der Mensch sich eine ihm zuträgliche, vom Zustand der reinen Naturhaftigkeit sich unterscheidende Umwelt schafft.

Den besonderen Stellenwert der Architekturtheorie macht aus, dass erst in der kritischen Reflexion die Architektur in ihrer ganzen Komplexität und gesellschaftlichen wie sinnlichen Wirkungsweise zum Bewusstsein kommt. Architekturtheorie ist Ausdruck einer Krise. Sie ist Zeichen eines „Geistes, der von sich selbst wieder Besitz“3 ergreifen muss. Als Medium des Bewusstseinsprozesses steht sie demnach einerseits auf der Seite der Gesellschafts- und Geisteswissenschaften, während sie andererseits ihren Fokus in der Lebenspraxis und materiell-räumlichen Praxis der Architektur hat. Wo die Architektur als sinnliche Erfahrung, als konstruktive Realität und als soziales Bezugssystem der dynamischen Kraft des kulturellen Kräftefelds der Moderne unterworfen ist, zeigt sich die Architekturtheorie als zutiefst modernes Anliegen.

 

4. Institut für Geschichte und Theorie der Gestaltung, UdK Berlin

http://www.udk-berlin.de/sites/igtg/content/index_ger.html [Zugriff am 11.09.2013]

Das Institut für Geschichte und Theorie der Gestaltung (IGTG) wurde 1998 als interdisziplinäres, studiengangsübergreifendes Institut an der Fakultät Gestaltung gegründet. An ihm sind verschiedene kunst-, kultur- und geisteswissenschaftliche Disziplinen vertreten, die in Forschung und Lehre theoretische und historische Perspektiven auf Architektur, Design und Visuelle Kultur entwickeln.

 

5. Geschichte + Theorie  der Architektur und Stadt, TU Braunschweig

http://www.gtas-braunschweig.de/index.php?id=8 [Zugriff am 11.09.2013]

Das Institut gtas versteht sowohl das Bauen von Umwelt – Architektur, Stadt und Landschaft – als auch dessen Theorie als Reaktionen auf die Herausforderungen spezifischer kultureller und historischer Situationen. Unser Ansatz ist ein kulturtheoretischer.

Die Verortung des Instituts am Department Architektur macht es zu einem wichtigen Ort des kritischen Nachdenkens über die Disziplin. In der Lehre geht es zunächst um die Vermittlung historischer und theoretischer Bezüge, als Vorgeschichte aktueller Herausforderungen und nicht zuletzt als Ideenfundus für die Findung zeitgenössischer Gestaltungen von Räumen. Unser Anliegen ist es, Architektur und Städtebau im Kontext ihrer kulturellen, politischen, ökonomischen und ideengeschichtlichen Bedingungen zu verstehen, um das Bewusstsein der Studierenden für den gesellschaftlichen Charakter ihrer Tätigkeit zu bilden. Im Zentrum steht dabei die Schulung des Sehens im Verbund mit einer Reflexion, die in der kunsthistorisch orientierten Gebäude- und Stadtraumanalyse fundiert ist, und die über die Lektüre kanonisierter Texte auch die Grundlagen wissenschaftlicher Methoden in weiteren, für das Fach relevanten Disziplinen wie der philosophischen Ästhetik, der Sozial- und Kulturwissenschaften mit einbezieht.

Die Forschungsprojekte des Instituts sind von der Erkenntnis geleitet, dass sich im gebauten Raum und im Diskurs über ihn mentalitätsprägende Strukturen von Gesellschaften zu erkennen geben. Vor diesem Hintergrund stellen Aspekte der Modernisierung das Gravitationszentrum in der wissenschaftlichen Tätigkeit der Institutsmitglieder Dr. Martin Peschken, Dipl.-Ing. Arne Herbote und Prof. i.R. Dr. Karin Wilhelm dar. Im letzten Jahrzehnt hat sich ein Forschungsschwerpunkt für die Jahre des so genannten Wiederaufbaus der Bundesrepublik Deutschland ergeben, der neben biographiegeschichtlichen Aspekten in der Architektur- und Städtebauentwicklung zudem Fragestellungen nach der Bildung (kollektiver) Identitäten bzw. Ausprägung von Identitätsbildern verfolgt.

 

6. Lehrstuhl Theorie der Architektur, BTU Cottbus

http://www.tu-cottbus.de/fakultaet2/de/theorie-der-architektur/lehrstuhl/geschichte.html [Zugriff am 26.9.13]

Geschichte des Lehrstuhls

Der Lehrstuhl vertrat eine interdisziplinäre und anwendungsbezogene Auffassung von Architekturtheorie. Er vermittelte Ansätze aus Philosophie, Psychologie, Soziologie und den Kulturwissenschaften und prüfte sie auf ihren Nutzen für das Denken über und das Entwerfen von Architektur und Stadt. Er analysierte die vielfältigen Erscheinungsformen des öffentlichen Diskurses über Architektur und Stadtplanung und förderte die Fähigkeit der Studierenden, von einer klaren eigenen Position aus verständlich und überzeugend daran teilzunehmen.

Der Lehrstuhl wurde in den Jahren 1994 bis 2010 von Eduard Führ geleitet und geprägt. Aus den zahlreichen Aktivitäten des Lehrstuhls stechen drei Langzeitprojekte heraus: Zum einen seit 1996 die Internetzeitschrift Wolkenkuckucksheim und die damit in Zusammenhang stehende Folge von internationalen Konferenzen, die eine große Anzahl herausragender WissenschaftlerInnen nach Cottbus geholt und ein weites Spektrum an Themen zur Diskussion gestellt hat. Zum zweiten das regelmäßige Doktorand/innenkolloquium, welches in produktiver Kooperation mit dem  Lehrstuhl Architekturtheorie und Architekturkritik der TU Dresden als permanente Forschungsplattform durchgeführt wurde. Und zum dritten seit 2005 die Konzeption und Leitung des Masterstudienganges Architekturvermittlung. Hiermit entstand ein auch international beachtetes, einzigartiges Studienangebot, das darauf abzielte, professionelle Kompetenz für den öffentlichen Diskurs mit Architektur und Planungsprozessen zu entwickeln. Die Veranstaltungen des Masterstudiengangs waren immer auch für die Studierenden der Architektur und der Stadt- und Regionalplanung offen. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass an der BTU Cottbus über Jahre hinweg ein Schwerpunktangebot im Bereich Kommunikation, Vermittlung und Baukultur aufrechterhalten wurde, das es in dieser Breite an keiner anderen deutschen Architekturfakultät gab.

Von 2010 bis 2012 wurde der Lehrstuhl kommissarisch von Riklef Rambow geleitet. Bei konsequent schrumpfender personeller Ausstattung war die Aufrechterhaltung der umfangreichen Lehrverpflichtungen auf hohem Niveau nur noch vorübergehend dank des engagierten Einsatzes zahlreicher hochqualifizierter Lehrbeauftragter möglich. In den Studiengang Architekturvermittlung konnte trotz ständig wachsender Nachfrage seit dem WS 11/12 nicht mehr neu immatrikuliert werden. Mit dem WS 2012/13 stellt der Lehrstuhl nun seine Arbeit endgültig ein.

 

 

7. Fachgebiet Geschichte und Theorie der Architektur, TU Darmstadt

http://www.gta.architektur.tu-darmstadt.de/gta/start/index.de.jsp [Zufriff am 11.09.2013]

Das Fachgebiet Geschichte und Theorie der Architektur besteht am Fachbereich Architektur der TU Darmstadt seit 1998 und führt als Bestandteil der Fachgruppe A (Historische Grundlagen) das vormalige Fachgebiet Baugeschichte mit verändertem Aufgabenspektrum fort.

Im Mittelpunkt von Lehre und Forschung stehen seither die Entwicklungslinien der Architektur und Stadtplanung des 19. und 20. Jahrhunderts. Besonderer Wert wird bei deren Bearbeitung auf die Einordnung in den Kontext gesellschaftlicher Wandlungsprozesse gelegt, wobei auch Impulse interdisziplinärer Forschung sowie international vergleichende Studien einbezogen werden.
Darüber hinaus werden theoretische Ansätze zur Architektur der Moderne sowie die politischen, ökonomischen und kulturellen Einflussfaktoren einzelner Strömungen und Tendenzen untersucht, wobei den Studierenden auch Kriterien für eine eigenständige Auseinandersetzung mit der Gegenwartsarchitektur vermittelt werden.

Die Basis der Lehre bildet eine Vorlesung, aus der einzelne Themen in Seminare übernommen und dort vertiefend bearbeitet werden. Neben Vorlesungen und Seminaren stellen Exkursionen einen festen Bestandteil der Vermittlung der Lerninhalte dar, zusätzlich ergänzt durch das Angebot der Einführung der Studierenden in die Praxis der wissenschaftlichen Bauaufnahme.Schließlich obliegt dem Fachgebiet auch noch die wissenschaftliche Betreuung der Bibliothek des Fachbereichs Architektur der TU Darmstadt, die den Studierenden an allen Wochentagen zur Verfügung steht.

 

8. Lehrstuhl Geschichte und Theorie der Architektur, TU Dortmund

http://www.bauwesen.tu-dortmund.de/gta/de/Lehrstuhl/ [Zugriff am 11.09.2013]

Die Forderung nach „zeitgenössischem Bauen“ ist ebenso verbreitet wie unbegründet. Sie ist eine der letzten Bastionen des Modernismus und gründet in der Ideologie, dass jede Zeit ihre eigenen architektonischen Formen haben müsse. Diese Ideologie schneidet die Bauerfahrungen der Vergangenheit von der Baupraxis der Gegenwart ab und unterminiert gleichzeitig die Relevanz der Architekturgeschichte für die heutige Architektenausbildung wie die Reichhaltigkeit der heutigen Architekturauffassung.

Folgt man dieser Ideologie, so können historische Bauten keine direkten architektonischen Lehren für das zukünftige Bauen enthalten, sondern lediglich der Illustration ihrer Entstehungszeit dienen. Diese totale Historisierung der Architektur übersieht jedoch, dass es in der Architektur trotz allem historischen Wandel Bestandteile und Bedingungen gibt, die keineswegs kurzfristigen Veränderungen unterworfen sind. Gesellschaftliche Bedingungen etwa mögen sich unablässig wandeln, statische Bedingungen etwa tun dies nicht. Ja, wir befinden uns nicht selten in der paradoxen Lage, dass die für „unsere“ gesellschaftlichen Bedingungen entworfenen Wohnungen weit weniger beliebt sind, als die für deutlich andere gesellschaftliche Ansprüche errichteten „Altbauten“.

Wie kann das sein? Zum einen ist Architektur weit weniger von externen Faktoren determiniert, als dies gemeinhin unterstellt wird. Gesellschaftliche Bedingungen mögen eine Rolle spielen, sie sind aber niemals die einzige Bedingung der architektonischen Form und zudem keine hinreichende. Ökonomie, Politik, Technik, Kultur und nicht zuletzt Natur treten stets als weitere Bedingungsfelder hinzu – und es wäre absurd zu glauben, dass eine kleine Veränderung in einem dieser Bereiche das Ganze der Architektur revolutionieren müsse. Zum anderen gelten in der Architekturgeschichte nicht automatisch dieselben Gesetze wie in der Politik-, Sozial- oder Kunstgeschichte. Von diesen Feldern der historischen Forschung wurden bislang Entwicklungsvorstellungen unkritisch auf die Architekturgeschichte übertragen, ohne zu hinterfragen, welche spezifischen Eigenschaften der Architektur vielleicht andere Entwicklungsvorstellungen erfordern.

Ist der Glaube an die permanente notwendige Veränderung der Architektur und an die damit verbundene Irrelevanz historischer Bauerfahrung für die zeitgenössische Baupraxis erst einmal ausgeräumt, so kann man sich auch zugestehen, wie zahlreich und fundamental auch heute die Anregungen aus der Architekturgeschichte sind. Wände stehen zumeist immer noch senkrecht, da es die Schwerkraft erfordert; Mauerwerk wird zumeist immer noch in versetzten Lagen verlegt, obwohl sich die sozialen, politischen, ökonomischen und sonstigen Bedingungen seit Römertagen mehrfach gewaltig gewandelt haben; Dächer sitzen zumeist immer noch oben auf den Häusern, da Regen trotz Klimawandel immer noch nass ist und selten von unten kommt – die Reihe dieser alltäglichen Beispiele ließe sich unendlich fortsetzen.

Sie zeigt, dass tatsächlich aus der Architekturgeschichte ganz unmittelbar gelernt werden kann und gelernt wird, selbst wenn die unsinnige Forderung nach „Zeitgenössischem“ erhoben wird. Auch dies ist erklärbar: Architektur ist eine Disziplin, die notwendig der Erfahrung bedarf. Sie ist keine theoretische Wissenschaft, sondern entsteht stets konkret in Raum und Zeit. In dieser geschichtlichen Ausdehnung bildet sich ihr Erfahrungsschatz. Architektur ist also ganz wesentlich Architekturgeschichte – dem kann selbst der verbohrteste Avantgardist nicht entkommen.

Von diesen grundsätzlichen Überlegungen her ergibt sich eine neue Ausrichtung der Architekturgeschichte, deren Relevanz für die Architekten- und Ingenieursausbildung evident ist. Architekturgeschichte dient nicht mehr nur dem historischen Verständnis architektonischer Formen (dies tut sie nach wie vor – die Autonomie historischer Hermeneutik ist unhintergehbar), sondern bietet auch unmittelbare Lehren für den heutigen Entwurfsprozess. Aus welcher Zeit auch immer Bauwerke stammen mögen, dem aufmerksamen Beobachter bieten sie meist eine Fülle von Kenntnissen, die er nutzbringend anwenden kann.

So ist etwa die Feinheit der griechischen Steinbearbeitung nicht einfach durch die Überwindung der Sklavenhaltergesellschaft abgelegt, sondern eine Herausforderung für heutige Steinbearbeitung. So ist die Proportionalität und Maßstäblichkeit einer Renaissancevilla nicht einfach mit dem Verlust des Humanismus ad acta gelegt, sondern eine Herausforderung für heutige Entwurfsarbeit. So ist die Haptik der Materialien eines Arts-and-Crafts-Hauses nicht einfach mit der Mittelalterromantik verloren, sondern eine Herausforderung für heutigen Materialeinsatz.

Viele Bedingungen der Architektur mögen sich verändert haben, dennoch behalten viele architektonischen Erfahrungen ihren Wert. Architekturgeschichte hat die Aufgabe, diese Erfahrungen darzulegen und die jungen Entwerferinnen und Entwerfer für sie zu sensibilisieren. Von historischen Bauten lässt sich unmittelbar lernen – dies muss wieder erkannt und geübt werden. Selbst die unter der dem Originalitätszwang des Geniekults einstudierte Furcht vor dem Kopieren gilt es zu hinterfragen: In der Wissenschaft oder der Wirtschaft mag Kopieren (zumindest nicht nachgewiesenes Kopieren) ein Vergehen sein, in der Architektur ist es üblich, nützlich und hilfreich (zumindest sofern bewährte und gute Vorbilder oder Vorgehensweisen kopiert werden).

Wozu also Architekturgeschichte? Nicht, um eine Entwurfshaltung zu rechtfertigen. Nicht, um vermeintliche Entwicklungsgesetze zu belegen. Nicht, um gebrauchsfertige Entwurfsrezepte aufzuzeigen. Nicht, um vor den Aufgaben der Gegenwart zu flüchten. Sondern, um die vielfältigen Formen der Architektur aus ihren jeweiligen historischen Bedingungen und Absichten heraus zu verstehen. Und auch, um den reichhaltigen historischen Erfahrungsschatz des Bauens nicht fahrlässig brachliegen zu lassen. Architekturgeschichte als Herausforderung: das heißt, es zumindest nicht schlechter zu machen, als es schon einmal war.

Und wozu Architekturtheorie? Nicht, um eine Formenwahl zu rechtfertigen. Nicht, um Architektur auf ein vermeintliches Grundgesetz zu reduzieren. Nicht, um durch noch nie dagewesene Behauptungen zu verblüffen. Nicht, um ein dürftige Praxis mit verheißungsvollen Worten zu verschleiern. Sondern, um das komplizierte Gebiet der Architektur in angemessen komplexer Weise aufzufassen. Und auch, um durch ein verfeinertes Verständnis zu einer besseren Praxis zu gelangen. Architekturtheorie als Herausforderung: das heißt, es sich nicht einfacher zu machen, als es in Wirklichkeit ist.

Prof. Dr. Wolfgang Sonne

9. Fachgebiet Architekturtheorie, TU Dresden

http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/fakultaet_architektur/ibad/architekturtheorie/archtheorie [Zugriff am 11.09.2013]

„Nicht das Leben möglich, sondern es glücklich zu machen, sollte seit der Antike der Ertrag der Theorie sein.“4 Dabei können wir es offen lassen, ob das menschliche Theoriestreben dem Naturbedürfnis der puren Lebenserhaltung oder dem ungenötigten Impuls frei gewählter Neugierde folgt. Theorie bezieht ihre Beweggründe und Fragehaltung nicht aus dem akademischen Lehr- und Forschungsbetrieb, sondern empfängt sie von außerwissenschaftlichen Anregungen. Deshalb ist eine problematische Situation von Theoriebildung und ihrer gesellschaftlichen bzw. lebenspraktischen Relevanz erreicht, so Hans Blumenberg, „wenn die motorischen Impulse der Theorie nicht mehr unmittelbar aus der ‚Lebenswelt’ kommen, nicht mehr aus dem menschlichen Interesse der Orientierung in der Welt, nicht mehr aus dem Willen zur Erweiterung der Wirklichkeit oder dem Bedürfnis nach Integration des Unbekannten.“5 Inwiefern kann die Architekturtheorie in ihrer gegenwärtigen Ausrichtung dieser Maxime, Theorie habe sich lebensweltlich zu verorten, gerecht werden?

Bei einer, wie ich es empfinde, „unsicheren“ Disziplin wie der Architekturtheorie darf man getrost danach fragen, auf welchem Weg sie zu einem Einverständnis über ihre kanonischen Begriffe, Texte und Themen kommen will. In ihren eigenen Reihen führt sie keine autoritativen Wissenschaftler, die in beispielgebender Virtuosität die Themen, Aufgaben, zentralen Unterscheidungen und Grundbegriffe der Disziplin festlegen konnten. Von konsistenter Methodologie und Methode ganz zu schweigen! Wie kann unter diesen Voraussetzungen Architekturtheorie grundlegend gesichert werden? Sie muss mit ihren Möglichkeiten in dem außerwissenschaftlichen Umkreis verankert sein, aus dem ihre zentralen oder prinzipiellen Fragestellungen und Bedeutungen erst zu gewinnen sind. Damit bleibt sie zum einen gebunden an das menschliche Erfahrungsleben, zum anderen an die Wissenschaften, die kompetent dieses lebensweltliche Feld bereits bearbeiten. Ein auch methodologisch anspruchsvolles Verständnis vom bauenden und wohnenden Menschen und seiner Welt lässt sich weder intern aus einer (Selbst-)Beobachtung der herstellenden Tätigkeit des „Bauens“ durch den „hobby-philosophierenden“ Architekten noch extern im Horizont einer als Ästhetik missverstandenen Architekturbetrachtung erzielen, die sich das Ereignis vom Leibe hält.

Theorie und Praxis

Architekturtheorie muss noch viel konsequenter ihr Bild vom Menschen, um dessen Wohnen, Entwerfen und Bauen es geht, stärken. Das dies nicht ausreichend geschieht, so meine These, liegt daran, dass sie nicht radikal genug nach dem forscht, was Theorie ist. Offensichtlich geht es doch jeder Theorie um das Beibringen eines Wissens. Der Philosoph Hans Jonas unterscheidet das „theoretische“ vom „praktischen“ Wissen6. Die theoretischen Wissenschaften im klassischen Sinn befassen sich mit den unveränderlichen und ewigen Dingen. Solche Dinge können nur „angeschaut“, nicht indes einem Tun oder einer Bearbeitung unterworfen werden. Dem gegenüber zielen die praktischen Wissenschaften nicht auf „Theorie“, vielmehr sind sie „Kunst“. Dieser heute nur mehr dem philosophisch-philologischen Gespräch vertraute Begriff von „Kunst“ (techné) meint das Wissen, wie etwas Veränderliches planvoll verändert werden kann, nämlich im Sinne der Künste eines Handwerks, zu denen Aristoteles beispielsweise auch die Künste des Arztes, Flötenspielers und des Baumeisters zählte. Alles praktische Wissen basiert auf Erfahrung. Welche Verbindungen bestehen nun zwischen beiden Wissensformen, der theoretischen und der praktischen? „Die Leitung, welche die Theorie hinsichtlich der Künste übernehmen kann, besteht nicht im Fördern ihrer Erfindung und Ersinnen ihrer Methoden, sondern im Erleuchten ihres Benutzers (…) mit der Weisheit, jene Künste weislich, d.h. im richtigen Maße und zu richtigen Zwecken zu benutzen.“7 Derjenige, der für die Herstellung von etwas zu sorgen hat, wird also auf Erwartungen und Ziele aufmerksam gemacht, die zunächst außerhalb seines „praktischen“ Horizonts liegen.

„Theorie“ in diesem Verständnis, so stellen wir mit Jonas fest, wird von den Künsten in Gebrauch genommen, damit deren eigenes Werk überhaupt gelingen kann. Welchen Spielraum, der ja offensichtlich zwischen Gelingen und Scheitern liegt, legt der Einsatz von Theorie nahe? Er rückt die Frage des Gebrauchs der hergestellten Dinge entschieden ins Licht. Jonas fragt: „Wozu findet Gebrauch statt? Der letzte Zweck allen Gebrauchs ist derselbe wie der Zweck aller Tätigkeit, und dieser ist zweifach: Erhaltung des Lebens und Verbesserung des Lebens, d.h. Förderung des guten Lebens.“8 Das Wissen, auf welches bei der Klärung des Gebrauchs verwiesen wird, ist also nicht ein technologisches oder Herstellungs-Wissen, und das Gebiet, von dem Erkenntnisse dieser Art erwartet werden dürfen, ist nicht das Terrain einer Ingenieurwissenschaft. Technik und Ingenieurwissenschaften können (und wollen) die Frage nach dem Wozu ihrer Hervorbringen nicht selbst beantworten. Denn die Frage nach dem Wozu ist eine Frage nach dem „Wert“ einer Leistung für ein Gemeinwesen bzw. seine Mitglieder. Insofern und so lange sich die Technik selbst als „wertfrei“ begreift, bleibt ihr diese Dimension des „Guten“, des „Glücken“ des Lebens, überhaupt des Welthaften, verschlossen.

Diese Dimension des menschlichen Handelns hat weder Vitruv gekannt, noch diskutiert sie die zeitgenössische Architekturtheorie. Unsere Aufgabe als Lehrende der Architekturtheorie wird es sein, den Architekten in den Mittelpunkt dieses Welt-Verhältnis zu stellen: er ist darin verstrickt. Denn er muss um die Zwecke des Gebrauchs von Architektur ebenso wissen wie um die fachgerechten Regeln der Herstellung eines Gebäudes. Seine Berufspraxis besteht nämlich nicht allein im technischen Verfügen über Naturprozesse und in der Anwendung von empirisch erzeugten Wissensformen, sondern ebenso in deren praktisch-situativen Bezügen und Interpretationen. Wahrnehmen, Deuten, Interpretieren verstehen sich leider nicht „von selbst“. Der Architekt hat mit bedeutenden architekturrelevanten Wissensbeständen zu tun, die selbst nichts darüber aussagen, wie ihr Inhalt kritisch bezüglich des Umsetzens in die Praxis zu beurteilen ist. Zwar geht etwa das ingenieurwissenschaftlich erzeugte Wissen auf regelrechte Kenntnisse einer Disziplin zurück, jedoch „ein reflektiertes Bewusstsein von dem praktisch Notwendigen“9 liegt nicht in Selbstverständnis und Horizont dieses Wissens.

Zur Aktualität der Architekturtheorie

Architektur-Theorie findet heute ihre Motivation gerade darin, dass sich inzwischen eine empirische „Wissenschaft von der Architektur“ vor allem in technologischer Hinsicht etabliert hat, die sich in ihrem wissenschaftlichen Treiben ungebunden an lebensweltliche Bedeutsamkeiten und Verpflichtungen begreift. Es ist nicht unsere Aufgabe, diesen historischen Prozess der Autonomisierung einer technisierten Baufachwissenschaft zu rekonstruieren. Statt dessen will ich darauf hinweisen, dass Theorie und Wissenschaft nicht schon immer zusammen gehörten, denn „Wissenschaft“ im Sinne des Verfügens über ein entsprechendes Fachwissen lässt sich sehr wohl als Einsicht, über die ein Meister verfügt, der sich auf die Dinge seines Handwerks versteht, begreifen. So lange ein „technisches Können“ lebensweltlich integriert bleibt, liegt eigentlich kein Grund vor, warum „Wissenschaft“ nicht mit der praktischen Welt des Notwendigen und Wünschenswerten verbunden bleiben könnte. Darauf zielt wohl auch Heideggers vormodernes Beispiel vom Schwarzwaldhof, das auf eine Zeit hinweist, als die Welt des Bauens und Wohnens noch „in Ordnung“ war. Erst wenn Wissenschaft und Technisierung sich in lebensweltlich abgeschottete Sektoren ausdifferenzieren, sich vom unmittelbaren situativen Anwenden und von der praxisnahen Beobachtung ihrer Folgen emanzipieren, wird Theorie benötigt, um den Übergang der unabhängig gewonnenen allgemeinen Kenntnisse und Wissensbestände in die besondere Welt des praktischen und schaffenden Lebens kritisch zu begleiten. Als Theorie bleibt sie sich selbst und ihren eigenen Ansprüchen an Redlichkeit und Wahrheitsfindung verpflichtet. Indem aber Theorie bewusst und gezielt ihrerseits zum Beispiel als methodisch kontrollierte hermeneutische Wissenschaft vom Wohnen oder von der pragmatischen Ästhetik des Ausdrucks ausgestaltet wird, nimmt sie die Form der auch das praktische Dasein leitenden Einsicht an: Sie ist Wissen der Gründe, Ursachen und Folgen der Dinge. Da sie aber zum Beispiel als Wohnwissenschaft und Ausdrucksforschung mit den Prinzipien der Architekturtheorie vertraut ist, kann sie immer über die Vermehrung und Verwertbarkeit des wissenschaftlich erzeugten Wissens hinausfragen: Welches pragmatische (Lebens-)Ziel soll dessen Anwendung fördern? Das Vermögen, entsprechende Fragen stellen und beantworten zu können, werde ich Orientierungswissen nennen.

Jürgen Mittelstraß hat zwischen einem Verfügungs- und einem Orientierungswissen unterschieden. Während ersteres das technische Können des Menschen und ebendiesen Zugriff auf unsere Welt steigert und auf immer weitere Bereiche ausdehnt, stellt das Orientierungswissen dem Menschen die dazu notwendigen Begründungen und Zielperspektiven bereit. Keine Frage: das Verfügungswissen ist am Fortschritt ausgerichtet und darin positiv; aus diesem Grund benötigt es einen Orientierungsrahmen an seiner Seite, damit die Einwirkungen auf unsere Lebensformen mit ihren pragmatischen Sinnhorizonten bedacht werden: „Es [das Verfügungswissen, A.H.] beantwortet Fragen nach dem, was wir tun können, aber nicht Fragen nach dem, was wir tun sollen. Also muss zum positiven Wissen ein handlungsorientierendes Wissen, eben das Orientierungswissen hinzutreten, das diese Aufgabe übernimmt.“10 Der zentrale Schritt ist schon gemacht, wenn wir ganz selbstverständlich dazu kommen, beide Wissensformen zu unterscheiden und deren jeweilige, weil unterschiedliche Bedeutung uns klar machen. Wissensformen liegen ja nicht in oder an den Dingen, mit denen wir umgehen, selbst vor. Vielmehr müssen wir diese Unterscheidung schon in unserer Sicht auf die Dinge praktizieren. Konsequenterweise muss also schon in unserem Umgangskönnen jene Orientierung an wünschenswerten, vernünftigen und begründbaren Zwecken und Zielen verankert sein, damit unser Tun verantwortbar ist. Orientierungen vollziehen sich praktisch als bestimmtes Orientierungskönnen im Einzelfall. Nur zu wissen, um was es je geht, reicht nicht aus. „Orientierung ist allemal etwas Konkretes, nichts Abstraktes, etwas, das man kann, das man tut, nicht etwas, das man weiß (…).“11 Dabei bleibt jedoch auch festzustellen, dass ein belehrendes Beibringen von Orientierungswissen kaum von Erfolg geprägt sein kann. Insofern Orientierungen immer Selbst-Orientierungen sind, beinhalten sie das Vermögen einer Person, ihren Aktivitäten eine Richtung zu geben.12 Es ist aber nicht wirklich möglich, jemand anderen zum Beispiel durch eine Belehrung zu orientieren. Man kann andere Menschen nicht mit Mitteln der Expertenberatung oder durch wissensbasierte Vermittlung von einschlägigen Kenntnissen so in seinem Handeln orientieren, wie man ein Kirchengebäude nach Osten ausrichtet. Jeder erwachsene Mensch muss selbst entscheiden, welchen Weg sein Leben nehmen soll, muss sich selbst orientieren. Man kann so viel Orientierungswissen in die Welt setzen, wie man will, worauf es aber allein ankommt, ist, dass die Adressaten dieses Wissens die genanten Ziele auch als ihre eigenen Zwecke setzen. Nur wer diese Orientierungen für sein Handeln auch als maßgeblich erachtet, verfügt über das entsprechende Wissen. Es ist nur dann effektiv, wenn Menschen es als für ihre Handlungsleitung anerkennen. Der Zusammenhang von Verfügungs- und Orientierungswissen präzisiert sich nun folgendermaßen: Damit ein Verfügungswissen über Richtungen tatsächlich in einer bestimmten Situation den Handelnden orientiert, muss es in die konkrete Perspektive des Orientierungssubjekts überführt sein. Architekturtheorie darf darauf hoffen, dass sie ihre Adressaten zu Einsichten führt, die sie bei ihrem Handeln richtunggebend leiten. Die „theoretische“ Frage nach der Architektur lässt sich allgemein als Frage nach dem Werden von künstlich Hergestelltem auffassen. Wie aber, so lautet am Ende meine Kernfrage, muss dieses Werden von künstlich Hergestelltem untersucht werden, damit in der Antwort auch das „Wozu“ und „Worumwillen“ dieses Werdens thematisiert ist? Denn gerade das Ansprechen von Zwecken und Zielen unseres Tuns zeichnet unsere „Orientierung im Handeln“ aus.13

 

10. Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften, Universität Graz

http://portal.tugraz.at/portal/page/portal/TU_Graz/Einrichtungen/Institute/oe_569 [Zugriff am 12.09.2013]

Das Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften vermittelt die kulturellen Grundlagen einer Geschichte und Theorie der bildenden Kunst und Architektur im Fachbereich Architektur. Die Lehrinhalte stehen zumeist im Kontext der wissenschaftlichen Forschungen am Institut, so dass die Studierenden in einen Dialog zwischen Forschung und Lehre einbezogen werden. Ein zentrales Anliegen unserer Arbeit ist es, aktuelle Diskussionen zu kulturellen, medienwissenschaftlichen und ästhetischen Fragen anzuregen und weiterzuführen.

 

11. Lehrstuhl für Architekturtheorie, Universität Innsbruck

http://www.architekturtheorie.eu/?id=department&lang=DE [Zugriff am 23.09.2013]

Mit der Berufung von Bart Lootsma an die Leopold-Franzens-Universität Innsbruck erfolgte im Februar 2006 die Gründung des neuen Lehrstuhls für Architekturtheorie.
Im Rahmen der Architekturfakultät vermittelt der Lehrstuhl sämtliche Kenntnisse des wissenschaftlichen Forschens, Kuratierens und Publizierens von Architektur-, Stadt- und Landschaftsthemen. Dabei erlangen angehende Architekten und ArchitektInnen in erster Linie konzeptionelle und kommunikative Fähigkeiten. Zudem bereitet der Lehrstuhl für Architekturtheorie auf spezialisierte Berufe vor, die insbesondere über die kulturellen Aspekte der Architektur reflektieren: ArchitekturtheoretikerIn, ArchitekturhistorikerIn, ArchitekturjournalistIn sowie Berufe in Museen, in Kulturfonds usw. In dieser Hinsicht konzentriert sich die Forschung am Lehrstuhl für Architekturtheorie vornehmlich auf die Art und Weise, wie Stadt und Landschaft im 20. und 21. Jahrhundert von Architekten und Städtebauern sowie von Landschaftsarchitekten wahrgenommen wurden und werden. In den daraus folgenden Darstellungen findet die Architektur als Form des kulturellen Ausdrucks ihren Platz. Weitere Schwerpunkte der Forschung befassen sich mit der Darstellung der heutigen Stadt, mit den Alpen als Kulturlandschaft und mit der Frage wie neue kulturelle, technische, soziale und philosophische Entwicklungen die Architektur beeinflussen. Diese inhaltlichen Ziele und Schwerpunkte bestimmen gleichermassen die Lehre.

 

12. Fachgebiet Architekturtheorie, KIT Karlsruhe

http://at.ekut.kit.edu/index.php [Zugriff am 11.09.2013]

Das Fachgebiet Architekturtheorie wurde von Professor Dr. Werner Sewing (1951-2011) mit dem Beginn der Bachelor/Master Umstellung 2008 gegründet und geleitet. Es ist Teil des interdisziplinären Instituts für Entwerfen, Kunst und Theorie.

http://at.ekut.kit.edu/28.php [Zugriff am 11.09.2013]

Pflichtvorlesung

Die dreisemestrige Vorlesungsreihe bietet eine Einführung in die Theorie und Geschichte der Architektur vom mittleren 18. Jahrhundert bis zur digitalen Architekturproduktion der Gegenwart (ca. 1750 bis 2010). Das erste Semester behandelt die Architekturkultur von ca. 1750 bis 1850, das zweite Semester von ca. 1850 bis 1950 und das dritte Semester den Zeitraum von 1950 bis zur Gegenwart. Ausgehend von aktuellen Fragestellungen steht dabei die theoretische Reflexion und historische Analyse architektonischer Denkstile zwischen Kunst, Wissenschaft und Technologie im Vordergrund.

Masterthese 

Das Fachgebiet Architekturtheorie bietet die Betreuung von Masterthesis und Diplomarbeiten an. Für die Masterthesis wird eine eigenständige Formulierung einer Forschungsfrage bzw. einer theoretischen Fragestellung vorausgesetzt, sowie deren materiale und wissenschaftlich präzise Umsetzung.
Die Fragestellung soll aus der theoretischen Diskussion der Architektur unter Bezug auf baugeschichtliche und philosophische Forschung gestellt werden. Interdisziplinarität ist erwünscht.

 

13. Fachgebiet Architekturtheorie und Entwerfen, Universität Kassel

http://cms.uni-kassel.de/asl/fb/fgs/fgsa/ath/start.html [Zugriff am 11.09.2013]

Architekturtheorie ist als Instrument der Reflektion ein wesentlicher Bestandteil der architektonischen Praxis. Versteht man die Disziplin der Architektur als Entwurf des ‚In der Welt seins‘ (Vilem Flusser), so ist Architekturtheorie unverzichtbarer Teil des Entwurfsprozesses, denn die Theorie als der gedankliche Entwurf formuliert die Grundlage für den architektonischen Entwurf. Der Entwurf des architektonischen ‚In der Welt seins‘ setzt eine intensive Beobachtung jener Welt, in der wir sind, voraus; erst wenn ich die Welt, in der ich bin, erkenne, kann ich mich zu ihr bewusst in Beziehung setzen. Für eine zeitgemäße Betrachtung der Welt haben in den letzten Jahren transdisziplinäre und kulturwissenschaftliche Arbeitsweisen zunehmend Einfluss auf die Architekturtheorie gewonnen. Die Arbeitsmedien der Architekturtheorie in Text und Bild wurden hierbei um weitere experimentelle Verfahren erweitert, die bei der Arbeit in Lehre und Forschung angewandt werden. Die Aufgabe der Theorie ist, bestehende Gedankenmodelle zu hinterfragen und neue Modelle zu entwickeln, um damit die architektonische Praxis zu befruchten.

 

14. Lehrstuhl für Theorie und Geschichte von Architektur, Kunst und Design, TU München

http://www.ar.tum.de/institute/institut-fuer-baugeschichte-kunstgeschichte-und-restaurierung/theorie-und-geschichte-von-architektur-kunst-und-design/ [Zugriff am 11.09.2013]

Architektur ist der materielle Ausdruck einer Gesellschaft, deren Mitglieder sich ihre Bauten errichten und mit denen sie umgehen. Eine Geschichte der Architektur sucht den Wandel ästhetischer Erscheinungsformen, die Entwicklung unterschiedlicher Bautypen und die zunehmenden Ausdifferenzierung funktionaler Anforderungen an Bauwerke zu beschreiben. Bauwerke werden organisiert hergestellt, sie sind selbst gesetzmäßig gestaltet  und sie werden geregelt benutzt. Geschichte der Architektur heißt daher stets, sich mit der Vielfalt von Handlungskonventionen, denen alle Akteure als Architekten, Auftraggeber und Nutzer folgen, auseinanderzusetzen.

In die Lehre wird die Architekturgeschichte in den weiteren Kontext der allgemeinen Kunst- und Kulturgeschichte integriert. Studierende sollen mit dem Grundlagenwissen über das Bauen und mit den Grundbegriffen des architektonischen Denkens vertraut gemacht werden, in denen sich Baupraxis und theoretische Reflexion über Architektur zusammen schließen. Ziel ist es, den Studierenden durch einen solchen Zugang das Verständnis für die historische Prägung unserer gebauten Umwelt, aber auch für Geschichte des eigenen Berufes zu eröffnen. Eine solche systematische Perspektive ist nicht zuletzt grundlegend für die Analyse von Architektur, für eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Entwurfspraxis und für die Vermittlung der eigenen Projektarbeit im Studium und im späteren Beruf.

 

15. Architektur und Stadtforschung / a42.org, Akademie der Bildenden Künste Nürnberg

http://www.adbk-nuernberg.de/STUDIUM/Aufbaustudiengaenge/architektur.html [Zugriff am 23.09.2013]

Der Masterstudiengang für Architektur und Stadtforschung (M.A.) der AdbK Nürnberg ist mit neuer Studienordnung als “nomadische Akademie” ohne festen Studienort konzipiert. Das Programm kann in vier Semestern (Vollzeit) oder maximal acht Semestern (Teilzeit) absolviert werden.
Die “akademie c/o” trifft sich pro Semester für vier Blockseminare mit einer Dauer von 8 bis maximal 14 Tagen. Der Ort der Seminare wechselt je nach Inhalten und Anforderungen. Das Studienprogramm richtet sich damit insbesondere an Teilnehmer, die ein weiterführendes Studium aufnehmen wollen, ohne ihr lokales Umfeld und Netzwerk aufgeben zu müssen. Der Studiengang versteht sich als forschende, diskursorientierte Einrichtung, deren Teilnehmer über die Dauer des Studium ein individuelles Thema erarbeiten und vertiefen. akademie c/o erforscht Formen, Mittel und Bedingungen architektonischer Raumproduktion. Der Aufbaustudiengang versteht sich als ein Ort der fortlaufenden Überprüfung bestehender Denkmodelle; er dient nicht der Vermittlung von Konventionen und handwerklichen Standards, sondern deren Hinterfragung und Weiterentwicklung.
akademie c/o begreift Architektur nicht als Addition von Mauern und Fenstern, nicht als Optimierung ästhetischer, ökonomischer und konstruktiver Anforderungen, sondern als „Ordnen von sozialen Beziehungen durch Gebautes“.
Das Studienprogramm versteht sich als aktiver Teilnehmer und Initiator aktueller Diskurse. Das Konzept der nomadischen Akademie dient damit nicht nur der räumlichen Bezugnahme auf die Lehrinhalte von Seminaren und Vorlesungen, sondern eröffnet die Möglichkeit der unmittelbaren Auseinandersetzung mit einer spezifischen räumlichen Situation, wie der Zusammenarbeit mit anderen Initiativen, Institutionen und Hochschulen.

 

16. Grundlagen der Gestaltung und Architekturtheorie, Universität Siegen

http://www.architektur.uni-siegen.de/lehre/lehrgebiete/gestaltung.html?lang=de [Zugriff am 23.09.2013]

Was ist Architekturtheorie?

  1. Ist es des Architekten Nachdenken über das eigene Tun oder das seiner Kollegen?
    Dann mischen sich Vorlieben, Obsessionen oder Fixierungen in das Ergebnis des Denkens.
  2. Ist es ein Reflektieren und Schildern der physischen Daseinsbedingungen des Menschen, dies aber unter bestimmten Aspekten – nämlich denen des Planens und Behaustseins?
    Planen und Denken sind partiell identisch. Denken ist komplex, also ist es Planen auch. Planend wird jeder Lebensvorgang bewusst, aber nur unter Umständen bewältigt. Theorie als Bewusstwerdung bleibt dann ein offener Denkakt, subjektive Interpretationsleistung.
  3. Ist es ein grenzüberschreitendes Bündeln von Denkfiguren unter Berücksichtigung von Ort und Obhut?
  4. Oder ist es gar kein Gegenwartsphänomen, sondern das rückwärts gerichtete, kommentierende Sammeln aller schriftlichen Erzeugnisse zum Bauen?

Diesen möglichen Aspekten der Architekturtheorie wird man sich unter verschiedenen Gesichtspunkten annähern: a. Architekturanalyse, b. Textanalyse, c. Produzenten/Rezipientenanalyse, wobei Zeitgeschichte, Bauhistorie und Entwurfsmethodik als Felder die Analysen beeinflussen.
Das heißt:

  • zu a.: Analyse von Kompositionsprinzipien – Flächenrhythmen, Raumfolgen, Massengliederungen, Licht und Schatten. Analyse von Funktionszusammenhängen und deren Manifestationen. Analyse architektursemiotischer Begriffe am ausgewählten Objekt.
  • zu b.: Analyse von Syntax, Grammatik, Zeitgebundenheit, Jargon, Philosophie, Literatur – Nachbarschaften. Der grenzüberschreitende Vergleich als Prinzip.
  • zu c.: Tradition und Fortschritt, Regionalismus, Konversativismus, Modernismus, Politik, Psychologie.

Diese verschiedenen Aspekte gilt es in der Lehre zu berücksichtigen, im Vortrag, im Gespräch, in der Diskussion. Wichtig ist dabei die mehr oder weniger prägnante Abgrenzung zur Baugeschichte und Entwurfsmethodik.

Es werden Architekturmanifeste und Texte gemeinsam gelesen, gemeinsam interpretiert und ihre „Inkarnation“ in der Praxis, im Gebauten untersucht: im Plan, in der fotografischen Sequenz, schließlich am Bauwerk selbst (Exkursion). Die Untersuchung des Plans und des Bauwerks führt zur Analyse der architektonischen Komposition.
Die Untersuchung des Standorts, des genius loci, des historischen Zusammenhangs führt zur kulturgeschichtlichen Einordnung.
Wünschenswert wäre das Gespräch mit den Produzenten: der Vortrag des Architekten, des Investors, des Bauherren. Im Anschluss käme dann die Untersuchung, wie weit Charaktere, Standeszugehörigkeit, Stimmungen und Obsessionen Architektur beeinflussen.
Vor allem aber soll die Lehre im Fach Architekturtheorie „augenöffnend“ wirken: Hilfreich können der Schock der unvorbereiteten Konfrontation mit scheinbar fachfremden Ereignissen sein, dem literarischen Text, dem Musik- und Theaterstück, dem Ausstellungsbesuch, deren Analyse und der anschliessende architekturbezogene Vergleich.
Sollte die Lehre wie beschrieben erfolgen, müsste sie das Grund- wie das Hauptstudium durchgängig begleiten: ein Wunschtraum (auch eine Definition von Theorie).


17. Institut Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen, Universität Stuttgart

http://www.uni-stuttgart.de/igma/institut.html [Zugriff am 11.09.2013]

Inzwischen ist dort am meisten von Architektur die Rede, wo es gar nicht mehr um den Bau von Häusern geht. Die Architektur ist als ein Begriff in Mode gekommen, der in der Kunst, aber auch in Politik, Wissenschaft, Ökonomie und Technik die Felder charakterisiert, in denen abstrakte Ideen und komplexe Systeme eine anschauliche und eindeutige Form annehmen. In denen Vorstellungen und Konzepte in einer konkreten Figur kondensiert werden.
Ziel des Igma ist es, Architektur als konzeptionelle Disziplin in verschiedene Richtungen zu öffnen und auch jenseits des Bauens neue Felder der Praxis aufzuzeigen und zu erschließen. Viele Architektinnen und Architekten arbeiten schon in den unterschiedlichsten Berufen, in denen ihre besonderen kreativen, intellektuellen und gestalterischen Kompetenzen gefragt sind. Dort entwickeln sie neue Produkte, Dienstleistungen und Ideen, vor allem aber Konzepte, die neue Arbeitsweisen, Themen, Strategien und Moden in der Moderne reflektieren. Dabei stellen sie eine Architektur in Frage, die sich weiterhin als traditionelle Monumentalkunst zeigt, die unter Aufbietung der modernsten Technik das archaische Projekt des Turmbaus zu Babel unbeirrt fortführt. Im Gegensatz dazu vernetzt sich diese sogenannte Mikroarchitektur in einem enzyklopädischen, Wissenschaft und Kunst zusammenfassenden, antimonumentalen Mikro-Kosmos.
In diesem geht es um radikale Architekturen, um moderne Bühnenbilder, multimediale Installationen und Filme, avantgardistische Schaufenster und experimentelle Grafikarbeiten und Bücher. Um Aufgaben also, bei denen das Gewicht auf konzeptionellen Fragen liegt, auf Fragen nach Autorenschaft und Strategie, nach entwerferischer Positionierung und kultureller Kontextualisierung. Es geht dabei immer auch um die Auseinandersetzung mit anderen Disziplinen wie Musik, Mode, Philosophie, Technologie und Botanik.

 

18. Fachgebiet Geschichte und Theorie der Architektur, Universität für angewandte Kunst Wien

http://www.dieangewandte.at/jart/prj3/angewandte/main.jart?rel=de&content-id=1236066402621&reserve-mode=active [Zugriff am 23.09.2013]

Geschichte und Theorie der Architektur beschäftigt sich mit praxisrelevanten Fragestellungen, vor allem mit dem kritischen Regionalismus, Fragen zur Globalisierung, fortschreitender Urbanisierung, Urban Design, Stadtplanung, regionaler Planung, Identität, Postkolonialismus und Nachhaltigkeit. Schwerpunkt in der historischen Vermittlung sind Designtools der Architektur des 20. Jahrhunderts und ein historischer Überblick über die österreichische Architektur vom Mittelalter bis hin zur Gegenwart mit besonderer Berücksichtigung von Otto Wagner, Adolf Loos und Josef Hoffmann, aber auch der Generation, die ins Exil ging, zu der u. a. Rudolph Schindler, Richard Neutra und Friedrich Kiesler zählen. Fokus in der Lehre sind auch die Wechselwirkungen zwischen Architektur und den Künsten seit dem Ende des 19. Jahrhunderts.

 

19. Architekturgeschichte, Theorie und Kritik, Designgeschichte, Staatliche Akademie der bildenden Künste Stuttgart

http://www.architektur.abk-stuttgart.de/georgiadis/lehre.html [Zugriff am 16.9.2013]

Das Fach Architekturgeschichte ist während der ersten sechs Semester des Studiums obligatorisch. Im fünften und sechsten Semester wird es in Verbindung mit dem Fach Designgeschichte gelehrt. In den ersten zwei Studiensemestern werden Zugänge zu den großen Epochen und Themen der europäischen Architekturgeschichte von ihren Anfängen bis zum Barock eröffnet. Der Schwerpunkt der Lehre (3. – 6. Semester) liegt jedoch auf historischen Fragestellungen unter den Bedingungen kultureller Modernität: vertiefte Einblicke in unseren unmittelbaren historischen Hintergrund sollen dabei nicht nur der Erschließung vergangenen Wissens dienen, sondern vor allem die Sensibilität und das Verständnis für die Aufgaben der Gegenwart erwecken und schärfen.

Im Rahmen des Wahlpflichtfachs Architekturtheorie, welches im zweiten Studienabschnitt das Angebot im Bereich Geschichte und Theorie der Architektur ergänzt, werden in der Regel Fragen des aktuellen Diskurses behandelt (Themen der letzten fünf Jahre waren: „Alles Ornament? – Architektur und schwaches Denken“, „ArchitekturMaschine“, „Gewohntes Leben“, „superdutch – Junge Architektur in den Niederlanden“, „Um uns die Stadt – Erkundungen im postmodernen Babylon“)

Zu den Vorlesungen und Seminaren erscheinen die „Hefte zur Geschichte und Theorie der Architektur und des Design“. Das Lehrprogramm wird von Gastvorträgen mit Referenten aus dem In- und Ausland ergänzt.

 

 

20. Institut für Kunst und Architektur, akademie der bildenden künste Wien

https://ika.akbild.ac.at/school/about_IKA [Zugriff am 23.09.2013]

Architectural education in the past decade has experimented with a variety of subjects within and outside of the boundaries of architectural production. In spite of many changes and reforms in programmes in Europe, most architecture curricula and schools have not questioned the nature of teaching nor its relationship to the production of architecture since the Beaux Arts model. As a result there are those schools that teach students to „THINK“ and others that train them to „DO“ – very rare are those schools that combine these in the course of the architect’s education.

In the wake of a new century and the environmental disasters architecture and its education need to be challenged and new models invented. We believe that architecture is an intellectual construction of ideas tied to its socio-economic and political context. It needs to be alert and inquisitive, at the same time innovative, inventive and critical. Consequently we educate our students to experiment with ideas through research, test their credibility and viability through making and project their implementation in practice.

[…]

Nasrine Seraji (Head of Institute 2006 – Jan. 2012)

 

21. Lehrstuhl Architekturgeschichte und -theorie, Bergische Universität Wuppertal

http://www.agt-arch.uni-wuppertal.de/ [Zugriff am 23.09.2013]

Architektur Geschichte Theorie

Das vielzitierte Bonmot von Adolf Loos über den Unterschied zwischen der Urne und dem Chamber Pot zielt auf eine der zentralen Fragen, der sich die Architektur immer wieder stellen muss. Wenn das Bauen um die Befriedigung mehr oder weniger handfester materieller Bedürfnisse geht, oder um die Realisierung immobilienwirtschaftlicher Potenziale, wie und wo werden die Resultate dieser Aktivität zu kulturellen Bedeutungsträgern? Ist der Unterschied zwischen Baukunst und dem Schaffen von Gebrauchsräumen so sauber zu definieren? Wo wäre dann die Grenze zwischen hoher Kunst und Dienstleistung, zwischen der alltäglichen Praxis und der Architektur als intellektueller Disziplin?

Dass Gebäuden (Städten, Landschaften, Möbeln, Dingen …) Bedeutungen zugemessen werden, ist mehr oder weniger empirisch zu belegen. Dass sich diese Bedeutungen aus allerlei Zusammenhängen – sichtbaren wie verborgenen – ergeben, kann ebenso wenig bezweifelt werden. Die Beschreibung und Interpretation der Bedeutung von architektonischen Objekten und Räumen ist eine Frage nach den Bezügen zwischen der materiellen Realität und kulturellen Erwartungen oder Preoccupations. Diese zu untersuchen, bisweilen aufzudecken und zu enthüllen, ist das Anliegen der Architekturgeschichte und –theorie. Dabei geht es auch darum, eine Sprache zu finden, die diese Zusammenhänge präzise, und möglichst mit einer gewissen Poesie, beschreibt.

Wir verstehen die Lehre und Forschung der Architekturgeschichte und –theorie als eine Form des Entdeckens. Eine Neugierde nach den Ideen, den Mentalitäten, den Zwängen und den Freiheiten, die in den Dingen, den Gebäuden und Konstruktionen verfasst sind.

Wo nun befindet sich die Architekturtheorie und –geschichte in der Lehre an einer Universität, in der nicht Publizisten oder Historiker ausgebildet werden, sondern Entwerfer? Zum Einen geht es selbstredend um die Vermittlung von Kenntnis historischer und theoretischer Bezüge. Sie ist Teil der Praxis der Universität als einer „kritischen Denkschule“. Fragen, die wir stellen, sorgen selten für eine größere Effizienz. Eher sind sie eine Schule des Zweifels, manchmal auch der Langsamkeit, einer notwendigen Verzögerung und der kritischen Prüfung des Berufsverständnisses.

Die Widersprüche, die unsere Untersuchungen offenlegen, sind genauso auszuhalten wie die Widersprüchlichkeiten in der Interpretation selbst. Das Bild, das wir vom architektonischen Objekt behalten, ist notwendigerweise unvollständig und gleiches gilt noch mehr für das Bild der Architektur als Disziplin. Was sich uns erschließt sind jedoch die Manöver der Auftraggeber, die Hypothesen der Entwerfer, die technischen und symbolischen Horizonte, die Organisation der Entwurfsarbeit und der Realisierung und, vielleicht vor Allem, die oft widerspenstige Wirklichkeit der Aneignungs- und Ablehnungsstrategien derjenigen, welche die Räume nutzen oder missbrauchen, und in ihnen leben.

 

22. Institut für Geschichte und Theorie der Architektur (gta), ETH Zürich

http://www.gta.arch.ethz.ch/ [Zugriff am 23.09.2013]

Geschichte und Theorie der Architektur – das sind Felder wissenschaftlicher Forschung und Ausbildung, die seit jeher den Nerv von Architektinnen und Architekten treffen. Architektur benötigt den kritischen Blick auf das eigene Tun, der sich aus wissenschaftlicher Fundierung der Praxis ergibt und ohne den qualitativer Fortschritt niemals denkbar ist. Hier nehmen Theorie und Geschichte als angestammte Disziplinen der Architektur ihre Verantwortung wahr. Sie erforschen die Wissensbestände der Architektur, die Formen und Techniken des Bauens, die Funktionen der Architektur und deren Verhältnis zu Gesellschaft und Politik, die Entwicklung des Entwerfens und des architektonischen Denkens von den Anfängen bis zur Gegenwart.

Das Institut für Geschichte und Theorie der Architektur – seit seiner Gründung im Jahr 1967 als «gta» zum Begriff geworden – nimmt Verantwortung in der Lehre auf breiter Grundlage wahr: von den wissensorientierten Vorlesungen des Bachelor- und des Master-Studiengangs über spezialisierte Wahl- und Vertiefungsfächer bis zum integrierten Fach im Entwurfsunterricht und zur problemorientierten Begleitung von Examensarbeiten. Als Schnittstelle zwischen Lehre und Forschung gilt der Betreuung von Doktoraten das besondere Engagement der Professoren. Zwischen Praxis und Wissenschaft vermittelt das Ausbildungsangebot des MAS-Programms «Theorie und Geschichte der Architektur».

In engem Kontakt mit seiner akademischen Tätigkeit erfüllt das gta weitere Aufgaben in der Vermittlung und Erforschung von Architektur. Das gta Archiv bewahrt bedeutende Bestände zur Geschichte der modernen Architektur, darunter viele Vor- und Nachlässe von Architektinnen und Architekten. Der gta Verlag zählt zu den führenden Architekturverlagen der Schweiz und Europas. Die gta Ausstellungen engagieren sich für die öffentliche Präsenz von Architektur. Ihre aktuellen Programme basieren auf vielfältiger Zusammenarbeit mit Partnern aus Hochschulen, architektonischer Praxis und Bauwirtschaft.

  1. Herbert Schnädelbach, Plädoyer für eine kritische Kulturphilosophie, in: Kulturphilosophie, hrsg. v. R. Konersmann, Leipzig 1996, S. 311 []
  2. Vgl. dazu Jürgen Habermas, Der philosophische Diskurs der Moderne, Frankfurt/M. 1985 []
  3. Friedrich Nietzsche, Ecce homo, in: Ders., Kritische Studienausgabe. Werke, Bd. 6, hrsg. v. G. Colli u. M. Montinari, Hamburg 1999, S. 322 []
  4. Hans Blumenberg, Der Prozeß der theoretischen Neugierde, Teil 3., 4. Aufl., Frankfurt/Main 1988, S. 266 []
  5. A.a.O., S. 265 []
  6. Hans Jonas, Das Prinzip Leben, Ansätze zu einer philosophischen Biologie, Franfurt am Main 1994, S. 314 []
  7. A.a.O. []
  8. A.a.O., S. 316 []
  9. Jürgen Habermas, Technik und Wissenschaft als „Ideologie“. Frankfurt/Main 1981, S. 111. Habermas hat diese Anforderungen an das Können des Praktikers „Orientierung im Handeln“ genannt. Er schreibt: „Das Verfügenkönnen, das die empirischen Wissenschaften ermöglichen, ist mit der Potenz aufgeklärten Handelns nicht zu verwechseln. Ist aber deshalb Wissenschaft überhaupt von dieser Aufgabe einer Orientierung im Handeln dispensiert?“ []
  10. Jürgen Mittelstraß, Glanz und Elend der Geisteswissenschaften, in: G.Kühne-Bertram, H.-U. Lessing, V. Steenblock: Kultur verstehen. Zur Geschichte und Theorie der Geisteswissenschaften, Würzburg 2003, S. 35-49, hier S. 41 []
  11. A.a.O., S. 42 []
  12. Vgl. Andreas Luckner, Klugheit, New York/Berlin 2005 []
  13. Vgl. dazu ausführlich: Achim Hahn, Architekturtheorie. Wohnen, Entwerfen, Bauen. Wien 2008 []

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